Die europäische Mangel-Landkarte 2026
EURES veröffentlicht zweimal jährlich einen Bericht über EU-Mangelberufe. Die Ausgabe 2025/26 (veröffentlicht im Dezember 2025) listet 42 Mangelberufe in 30 EURES-Ländern auf.
- Digital — Softwareentwickler/innen, Cybersicherheitsspezialist/innen, Datenwissenschaftler/innen, KI-Ingenieur/innen (Mangel in über 25 Ländern).
- Grün — Wärmepumpeninstallateure, Solar-PV-Techniker/innen, Energieeffizienzingenieur/innen, Umweltwissenschaftler/innen (Mangel in 22 Ländern).
- Gesundheitswesen — Pflegekräfte, Allgemeinmediziner/innen, Pflegehilfskräfte, Zahnärzt/innen (Mangel in 28 Ländern).
- Gastgewerbe — Köch/innen, Hotelmanager/innen, mehrsprachiges Empfangspersonal (Mangel in 19 Ländern).
- Fortgeschrittene Fertigung — Schweißer/innen, CNC-Fachkräfte, Elektromechaniker/innen, industrielle Instandhaltung (Mangel in 23 Ländern).
Diese Engpässe sind ungleich verteilt. Deutschland, die Niederlande und die nordischen Länder verzeichnen den tiefsten Mangel in Digital und Grün; Spanien, Italien und Portugal die stärksten Lücken im Gastgewerbe und Gesundheitswesen; Mitteleuropa führt beim Fertigungsmangel.
| Sektor | Länder mit Mangel | Wichtigste Aufnahmemärkte | Passendstes Mobilitätsinstrument |
|---|---|---|---|
| Digital & Technologie | 25+ | Deutschland, Irland, Niederlande, Estland | Erasmus+ KA131 (4–6 Monate) |
| Grün & Energiewende | 22 | Dänemark, Deutschland, Niederlande | Erasmus+ KA131 + KA122-VET |
| Gesundheitswesen | 28 | Deutschland, Frankreich, Schweden, Belgien | Klinische Praktika im Rahmen der Richtlinie 2005/36/EG |
| Gastgewerbe | 19 | Spanien, Portugal, Italien, Griechenland | Erasmus+ KA131 + KA122-VET |
| Fortgeschrittene Fertigung | 23 | Tschechien, Slowakei, Slowenien, Norditalien | Erasmus+ KA121/KA122-VET (ErasmusPro) |
Warum internationale Mobilität den Unterschied macht
Internationale Mobilität erzeugt drei messbare Effekte auf den Arbeitsmarkt.
- Geografische Umverteilung — Mobilität verlagert Arbeitskräfte von Überschuss- in Mangelregionen, ohne dauerhafte Migration.
- Kompetenzerwerb — mobile Arbeitskräfte erwerben Sprachen, interkulturelle Fähigkeiten und Sektorerfahrung, die der Heimatarbeitsmarkt nicht bieten kann.
- Höhere Beschäftigungsfähigkeit — Erasmus+-Alumni zeigen eine 23 % höhere Beschäftigungsquote 12 Monate nach dem Abschluss im Vergleich zu nicht-mobilen Gleichaltrigen (Erasmus+ Higher Education Impact Study, 2023).
Cedefops European Skills Index 2025 stuft Länder mit überdurchschnittlichen EU-Mobilitätsraten im Schnitt 12 Prozentpunkte höher bei der 'Kompetenzaktivierung' ein als Länder unter dem Median.
Die 2026 zu priorisierenden Mobilitätsinstrumente
- Erasmus+ KA131 — kurze und lange Mobilität für Hochschullernende. 3,3 Mrd. € Budget 2026; wichtigster Hebel zur Schließung von Engpässen innerhalb der Programmländer.
- Erasmus+ KA171 — internationale Kreditmobilität mit Partnerländern (Westbalkan, Östliche Partnerschaft, südliches Mittelmeer, Asien, Afrika). 410 Mio. € Budget 2026.
- Erasmus+ KA122/121 VET — arbeitsbasierte Lernmobilität für berufliche Lernende, das am schnellsten skalierende Instrument zur Schließung technischer Fachkräftelücken.
- ALMA (Aim Learn Master Achieve) — auf 18- bis 29-jährige NEETs ausgerichtetes, aus dem ESF+ finanziertes Programm für gering qualifizierte junge Erwachsene.
- Europäisches Solidaritätskorps — angrenzendes Instrument mit einem Budget von 157 Mio. € für 2026, hauptsächlich für den sozialen und grünen Sektor.
Sektor für Sektor: Wo Mobilität jetzt am nützlichsten ist
- Digital & Technologie — Deutschland, Irland, Niederlande und Estland nehmen die meisten internationalen Tech-Praktikant/innen auf. 6-monatige Co-op-artige Praktika übertreffen 2-monatige beim tatsächlichen Kompetenztransfer.
- Gastgewerbe — Spanien, Portugal, Italien und Griechenland verzeichnen ganzjährige Nachfrage; mehrsprachige Profile (EN + DE + ES) sind am leichtesten vermittelbar.
- Grüner Sektor — Dänemark, Deutschland und die Niederlande haben den tiefsten Mangel und die stärkste Ausbildungsinfrastruktur für eintreffende Praktikant/innen.
- Gesundheitswesen — regulierter Beruf; Mobilität erfolgt hauptsächlich über klinische Praktika im Rahmen der EU-Richtlinie 2005/36/EG statt über frei vermittelte Praktika.
- Fortgeschrittene Fertigung — Tschechien, Slowakei, Slowenien und Norditalien haben starke VET-Aufnahmekapazität für Schweißen, Mechatronik und CNC.
Was entsendende Einrichtungen 2026 ändern sollten
- Den Zielort-Mix stärker auf Mangelländer ausrichten statt auf das historische Top-3 (Spanien, Frankreich, Deutschland).
- Praktikumsdauern verlängern — 4 bis 6 Monate übertreffen durchweg 2 bis 3 Monate sowohl beim Kompetenztransfer als auch bei der Anschlussbeschäftigung.
- Zweigleisige Partnerschaften aufbauen — einen akademischen Partner mit einem Gastunternehmenspartner in derselben Region kombinieren, um den Kreis vom Learning Agreement bis zur Einstellung zu schließen.
- Ergebnisse verfolgen — den Beschäftigungsstatus von Alumni nach 6 und 12 Monaten messen; Pilotprojekte mit dieser Disziplin verbessern die Fördererhaltung im Schnitt um 18 %.
Was Gastunternehmen 2026 ändern sollten
- Das Praktikum als Rekrutierungstrichter betrachten — 38 % der Erasmus+-Praktikant/innen 2024 erhielten innerhalb von 12 Monaten ein Stellenangebot ihres Gastunternehmens (Eurobarometer 2024).
- Wo rechtlich möglich, eine Vergütung anbieten — bezahlte Praktika erhöhen das Bewerbungsvolumen um das 4- bis 6-Fache und verbessern den Qualitäts-Pool deutlich.
- Rollenspezifische Stellenbeschreibungen statt generischer 'Praktikant'-Anzeigen veröffentlichen — die Konversionsrate von Ansicht zu Bewerbung verdreifacht sich.
- Unterstützung bei der Wohnungssuche bieten — der häufigste Grund, warum Praktikant/innen zwischen Angebot und Beginn absagen, ist die Wohnungsfrage.
Der politische Hintergrund, den Sie kennen sollten
- Auf das Europäische Jahr der Kompetenzen (2023) folgt die EU-Kompetenzunion (angekündigt März 2025) — 4 Mrd. € für 2025–2027.
- Net-Zero-Industrieakademien — erste Kohorte startet 2026 mit Mobilitätskomponenten, finanziert über Erasmus+ und ESF+.
- Pakt für Kompetenzen — Sektorpartnerschaften in 25 industriellen Ökosystemen, mit Mobilität als einem von vier obligatorischen Hebeln.
- Anerkennung von Qualifikationen — die 2025er Überarbeitung der Empfehlung zur automatischen Anerkennung vereinfacht den grenzüberschreitenden ECTS-Transfer für die Mobilitätskohorten 2026.
Drei konkrete Maßnahmen für die nächsten 90 Tage
- Universitäten — den Zielort-Mix mit der EURES-Mangelberufsliste abgleichen und neu ausrichten.
- VET-Anbieter — sich für KA122-VET 2026 bewerben, falls noch nicht in einem KA121-Konsortium; die Frist endet am 4. Oktober 2026.
- Gastunternehmen — mindestens eine Mangelberuf-Rolle in ein strukturiertes Erasmus+-Praktikumsangebot mit definiertem Betreuer und Lernergebnissen umwandeln.
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Verwandte Leitfäden und Ressourcen
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Quellen
In diesem Artikel zitierte offizielle Quellen. Alle Links öffnen in einem neuen Tab.
- EU-Bericht zu Mangelberufen 2025/26 — EURES / Europäische Arbeitsbehörde
- European Skills Index 2025 — Cedefop
- Erasmus+ Higher Education Impact Study 2023 — Europäische Kommission
- Erasmus+ Programme Guide 2026 — Europäische Kommission
- Union der Kompetenzen — Mitteilung der Kommission — Europäische Kommission
- Eurobarometer — Kompetenzen und Mobilität 2024 — Europäische Kommission
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Diesen Leitfaden schreibt das Redaktions- und Placement-Team von Piktalent. Piktalent ist die Mobilitätsmarke der The Student Mobility Group, die seit 2009 internationale Praktika und Erasmus+ Mobilitäten organisiert. Wir vermitteln Studierende an Gastunternehmen in Europa und den USA, unterschreiben die Learning Agreements, prüfen die Gastgeber und betreuen die Teilnehmenden vor Ort — die hier beschriebenen Abläufe sind also unsere eigenen, keine Zusammenfassung anderer Websites.
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